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TropfenTipp

27. Juli 2026 · Ratgeber, Allgemein

Viñas del Rey Rioja Reserva 2019: Lohnt sich dieser Rioja?

Bei einem Rioja Reserva schaue ich zuerst auf zwei Dinge: den Jahrgang und die Fassreife. Die beiden sagen mehr über einen Wein aus als jede Prosa auf dem Rückenetikett.

Bei diesem hier war ich nach ein paar Minuten Recherche positiv überrascht. Drei Punkte stechen heraus — und der wichtigste steht schon vorne auf der Flasche.

Aktuell ist der Viñas del Rey Rioja Reserva 2019 im Angebot, 50% reduziert, für 8,99 €


Der Jahrgang ist der eigentliche Clou

2019 war in der Rioja kein normales Jahr. Der Kontrollrat der Region, das Consejo Regulador, bewertet jeden Jahrgang offiziell auf einer fünfstufigen Skala — und für 2019 gab es die Höchstnote: „Excelente“.

Die Einstufung beruht auf über 4.500 Proben, die von rund 150 Fachleuten verkostet werden. Und sie hebt 2019 deutlich aus seinem Umfeld heraus: Es war der erste Excelente-Jahrgang seit 2011. Dazwischen lagen acht Jahrgänge, die es nur auf „sehr gut“ oder „gut“ brachten.

Zwei Dinge gehören zur Einordnung dazu. Das Consejo ist die Institution der Region selbst und damit kein unabhängiger Kritiker. Und bewertet wird der Jahrgang als Ganzes, überwiegend am jungen Wein — nicht die einzelne Flasche, die sieben Jahre später im Regal steht.

Ein starker Jahrgang ist also kein Garant. Aber er ist Rückenwind, und bei einem Wein unter zehn Euro nimmt man den gerne mit.


Zwei Jurys, zwei Medaillen — und was sie wert sind

Der Wein hat 2019 doppelt abgeräumt:

  • Frankfurt International Trophy: Grand Gold
  • Berliner Wein Trophy: Gold

Kurz erklärt, weil Medaillen inflationär wirken können: Beide Wettbewerbe verkosten blind nach dem 100-Punkte-System der OIV. Bei der Frankfurt International Trophy braucht ein Wein für Grand Gold mindestens 92 von 100 Punkten — das ist die oberste Stufe, und sie ist deutlich seltener als das normale Gold ab 85 Punkten. Zusätzlich darf höchstens jeder dritte eingereichte Wein überhaupt eine Medaille bekommen.

Ehrlich dazugesagt: Nur wer teilnimmt, kann gewinnen, und Teilnahme kostet Geld — Medaillen sagen also nie etwas über die Weine aus, die nicht angetreten sind. Aber zwei unabhängige Jurys, die beide hoch bewerten, sind ein Signal. Bei einem Wein in dieser Preisklasse ein ziemlich starkes.


„Reserva“ ist kein Marketingwort

Bei vielen Weinen steht irgendein Zusatz auf dem Etikett, der gut klingt und nichts bedeutet. In der Rioja ist das anders — dort ist Reserva gesetzlich geregelt.

Ein Rioja Reserva muss mindestens drei Jahre reifen, davon mindestens ein Jahr im Eichenfass, der Rest in der Flasche. Erst dann darf er verkauft werden.

Dieser hier ging 18 Monate ins Barrique — also die Hälfte länger als vorgeschrieben. Und genau das ist der Grund, warum solche Weine normalerweise nicht 8,99 € kosten: Ein Fass kostet Geld, Lagerfläche kostet Geld, und drei Jahre gebundenes Kapital kosten am meisten. Bei einem Reserva bezahlst du immer auch Zeit mit.


Der Kokos-Hinweis: ein kleiner Trick fürs nächste Mal

In der Aromenbeschreibung des Weins tauchen die üblichen Verdächtigen auf — Brombeere, schwarze Johannisbeere, Vanille, Zimt. Und dann: Kokos.

Kokos ist der interessanteste Eintrag in der Liste, denn er verrät etwas über das Fass. Vanille- und vor allem Kokosnoten sind das typische Erkennungszeichen von amerikanischer Eiche. Französische Eiche geht eher in Richtung Gewürznelke, Zeder und feine Würze; amerikanische Eiche ist süßer, weicher, offensiver.

Und amerikanische Eiche ist die klassische Rioja-Signatur. Genau dieser süßlich-vanillige Ton ist das, was viele Menschen meinen, wenn sie sagen, ein Wein „schmeckt nach Rioja“.

Merk dir das ruhig — beim nächsten spanischen Rotwein kannst du raten, welches Holz im Spiel war. Funktioniert erstaunlich oft.


Wer macht den Wein?

Hinter dem Namen — der übrigens oft auch ohne Tilde als Vinas del Rey geschrieben wird — steht Pagos del Rey, ein Projekt der Familie Solís, das 2002 gestartet wurde. Die Rioja-Kellerei in Fuenmayor eröffnete 2006 und gehört zu den größten der Region.

Und ja: Der Mutterkonzern Félix Solís Avantis ist einer der drei größten Weinproduzenten Spaniens. Das ist keine Garagen-Bodega mit handbeschriftetem Etikett.

Ich finde das hier ausdrücklich in Ordnung — und zwar, weil es die Rechnung erklärt. Ein kleines Familienweingut kann einen dreijährig gereiften Reserva schlicht nicht für neun Euro anbieten. Ein Großbetrieb mit Zugriff auf tausende Traubenlieferanten und eigener Fasswirtschaft kann es. Man kauft hier keine Rarität. Man kauft solides Handwerk in großem Maßstab — und dafür ist der Preis fair.


Was du erwarten kannst

Der Wein ist trocken mit 13,5 % Alkohol — kräftig, aber nicht wuchtig. Die Restsüße von 4 g/l und die Säure von 4,8 g/l liegen beide im normalen Bereich für einen spanischen Rotwein dieser Art; nichts davon fällt aus dem Rahmen.

Stilistisch bewegt sich ein Tempranillo aus der Rioja mit dieser Fassreife klassischerweise in Richtung dunkle Beeren, Vanille und süße Gewürze, mit weichen Gerbstoffen und rundem Körper. Nach sieben Jahren Flaschenreife hat so ein Wein die kantige Jugend meist hinter sich.

Eine Sache noch, die mir positiv aufgefallen ist: der Verschluss. Es ist ein DIAM-Korken — ein technischer Korken, bei dem das Kork-Granulat gereinigt wird, sodass Korkschmecker praktisch ausgeschlossen ist. Bei einem Wein, der drei Jahre gereift ist, wäre eine Fehlflasche besonders ärgerlich. Dass hier nicht am Verschluss gespart wurde, ist ein gutes Zeichen.


Servieren: Bitte nicht bei „Zimmertemperatur“

Empfohlen sind 16 °C, und die Angabe ist gut.

Das Problem: Fast jeder trinkt Rotwein zu warm. Der Ratschlag „bei Zimmertemperatur servieren“ stammt aus einer Zeit, in der Zimmer 16 bis 18 Grad hatten. Ein modernes Wohnzimmer hat 21 bis 23 Grad — und darin wirkt ein Wein mit 13,5 % schnell breit und alkoholisch.

Der einfachste Fix: Flasche eine gute halbe Stunde vor dem Trinken in den Kühlschrank. Klingt falsch, ist aber genau richtig. Der Unterschied ist größer, als man denkt.

Und noch ein Tipp: Ein siebenjähriger Reserva profitiert fast immer von etwas Luft. Wenn du eine Karaffe hast, gieß ihn 30 bis 60 Minuten vorher um. Ohne Karaffe reicht es auch, die Flasche früher zu öffnen und das erste Glas einfach stehen zu lassen.


Wozu er passt

Bei einem Rioja Reserva muss man das Rad nicht neu erfinden — die Klassiker funktionieren, weil sie funktionieren:

  • Lamm in jeder Form, gebraten oder geschmort
  • Wild und Schmorgerichte
  • Gegrilltes Rind, Steak, Spareribs
  • Tapas: Chorizo, Serrano, gefüllte Paprika
  • Manchego, je reifer desto besser
  • Linsen- und Bohneneintöpfe mit kräftiger Wurst

Weniger glücklich wird die Kombination mit Fisch, hellem Geflügel ohne Sauce oder allem, was sehr scharf gewürzt ist — Chili und Barrique-Ton beißen sich gern.


Jetzt trinken oder liegen lassen?

Angegeben ist eine Trinkreife bis 2031, und das halte ich hier für realistisch — anders als bei vielen günstigen Weinen, bei denen solche Angaben optimistisch sind. Ein Reserva ist genau dafür gemacht: Er hat die Struktur und die Fassreife, um Jahre zu überstehen.

Der 2019er steht jetzt gut da: alt genug, dass sich alles gesetzt hat, jung genug, dass die Frucht noch da ist. Wenn du bei diesem Preis mehrere Flaschen nimmst, kannst du problemlos ein paar davon zwei, drei Jahre liegen lassen und schauen, wie er sich entwickelt. Das ist bei einem Neun-Euro-Wein ein seltenes Vergnügen.


Fazit: Lohnt sich der Viñas del Rey Rioja Reserva?

Nach Aktenlage: ja, und zwar deutlich.

Du bekommst einen gesetzlich definierten Reserva aus dem höchstbewerteten Rioja-Jahrgang seit 2011, mit 18 Monaten Barriquezwei Medaillen von unabhängigen Jurys — darunter die oberste Stufe der Frankfurt International Trophy — und einem ordentlichen Verschluss. Für 8,99 €.

Was du nicht bekommst: einen individuellen, eigenwilligen Wein mit Geschichte. Das ist ein industriell erzeugter Klassiker, der genau das macht, was ein Rioja Reserva machen soll — verlässlich und ohne Überraschungen.

Für einen Dienstagabend mit Lamm aus dem Ofen ist das ziemlich genau das Richtige. Und bei diesem Preis würde ich nicht nur eine Flasche nehmen.


Häufige Fragen

Was bedeutet „Reserva“ bei einem Rioja?

Reserva ist in der Rioja gesetzlich geregelt: Der Wein muss mindestens drei Jahre reifen, davon mindestens zwölf Monate im Eichenfass, den Rest in der Flasche. Dieser Wein lag 18 Monate im Barrique — länger als vorgeschrieben.

Wie gut war der Jahrgang 2019 in der Rioja?

Sehr gut. Der Kontrollrat der Region hat 2019 offiziell mit „Excelente“ bewertet, der höchsten von fünf Stufen — es war der erste Excelente-Jahrgang seit 2011. Wichtig: Die Note gilt dem Jahrgang der gesamten Region, nicht dem einzelnen Wein.

Was bedeutet Grand Gold bei der Frankfurt International Trophy?

Grand Gold ist die höchste Medaillenstufe und setzt mindestens 92 von 100 Punkten voraus. Gold beginnt bei 85 Punkten. Zusätzlich darf höchstens ein Drittel der eingereichten Weine überhaupt eine Medaille erhalten.

Bei welcher Temperatur trinkt man den Viñas del Rey Rioja Reserva?

Bei etwa 16 °C — das ist kühler als ein normal geheiztes Wohnzimmer. Am einfachsten stellst du die Flasche eine halbe Stunde vor dem Trinken in den Kühlschrank.

Sollte man den Wein dekantieren?

Es hilft. Ein siebenjähriger Reserva zeigt nach 30 bis 60 Minuten in der Karaffe meist deutlich mehr. Wer keine hat, öffnet die Flasche einfach früher.

Wozu passt der Wein?

Zu Lamm, Wild, Schmorgerichten, gegrilltem Rind, Tapas wie Chorizo und Serrano sowie zu gereiftem Manchego und kräftigen Eintöpfen.

Wie lange kann man ihn lagern?

Bis etwa 2031. Als Reserva hat er die Struktur dafür — er steht aktuell aber schon sehr gut und muss nicht weggelegt werden.

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