Sankt Laurent
auch bekannt als: St. Laurent, Saint Laurent, Svatovavřinecké, Vavrinecké
- Typische Stile
- Fruchtbetont & samtig: Sauerkirsche, Brombeere, Pflaume, dunkelrot, weiche Tannine, saftig, mittlerer Körper. Im Barrique gereift: Bitterschokolade, Gewürz, Zedernholz, mehr Struktur und Länge, reifefähig. Elegant & pinot-artig: feiner, mit rotem Beerenobst, Kräutern und seidiger Textur. Rosé: saftig, mit klarer Kirschfrucht.
- Typische Regionen
- Österreich (Thermenregion, Burgenland, Niederösterreich), Deutschland (Pfalz, Rheinhessen, Baden), Tschechien, Slowakei, Ungarn
- Passt zu
- Ente, Gans und dunkles Geflügel · Schweinebraten, Kalb, Wiener Küche · leichtes Wild, Reh · Pilz- und Wurzelgemüsegerichte · Schmorgerichte mit dunkler Sauce · reifer Weich- und Rotschmierkäse · Weniger geeignet: sehr leichter Fisch, zarte Salate
Kurz gesagt: Sankt Laurent ist ein samtiger, dunkelfruchtiger Rotwein aus der Burgunderfamilie – oft beschrieben als kräftigerer, dunklerer Verwandter des Spätburgunders. Er schmeckt nach dunkler Kirsche, Brombeere und Pflaume, mit weichen Tanninen und einem Hauch Bitterschokolade. Seine Heimat ist Österreich, vor allem die Thermenregion und das Burgenland. Er ist zugänglicher als sein tiefdunkles Aussehen vermuten lässt und einer der besten Begleiter zu Ente und herbstlicher Küche.
Was Sankt Laurent so besonders macht
Sankt Laurent sitzt an einer reizvollen Stelle zwischen zwei Welten. Von der Farbe und der dunklen Frucht her wirkt er wie ein kräftiger Rotwein – tiefes Dunkelrot, Brombeere, Pflaume, Bitterschokolade. Von der Textur und der Eleganz her verrät er seine Herkunft aus der Burgunderfamilie: weiche, samtige Tannine, eine lebendige Säure, ein feiner Kräuterzug. Diese Kombination aus dunkler Fülle und pinot-artiger Finesse macht ihn eigenständig und für viele überraschend.
Die Sorte gilt als naher Verwandter des Spätburgunders; genetische Untersuchungen legen nahe, dass Pinot Noir einer der Elternteile ist. Man merkt es im Glas – Sankt Laurent hat die seidige Art des Spätburgunders, packt aber mehr dunkle Frucht und etwas mehr Kraft dazu. Wer Spätburgunder mag, aber gelegentlich etwas mehr Substanz will, findet hier genau das.
Der Name geht auf den Laurentiustag am 10. August zurück – um diese Zeit beginnen die Beeren typischerweise, sich zu färben. Das ist auch die Schwierigkeit der Sorte: Sie treibt früh aus und ist damit frostgefährdet, und sie reift unregelmäßig. Diese Launenhaftigkeit hat ihren Anbau lange begrenzt und erklärt, warum sie trotz ihrer Qualität eine Nischensorte geblieben ist.
Herkunft und Heimat
Die genaue Herkunft der Sorte ist nicht abschließend geklärt; überliefert ist eine Verbreitung von Frankreich über Deutschland nach Österreich im 19. Jahrhundert. Ihre eigentliche Heimat wurde jedenfalls Österreich:
- Thermenregion südlich von Wien – die klassische Hochburg, wo einige der besten und elegantesten Sankt Laurent entstehen.
- Burgenland – wärmer, mit kräftigeren, fülligeren Weinen, oft im Barrique ausgebaut.
- Niederösterreich in kleineren Mengen.
In Deutschland findet man Sankt Laurent vor allem in der Pfalz, in Rheinhessen und Baden, wo ambitionierte Erzeuger die Sorte wiederentdeckt haben. Große Bestände gibt es außerdem in Tschechien und der Slowakei, wo sie unter dem Namen Svatovavřinecké eine feste Größe ist.
Die Stile
- Fruchtbetont und samtig: im Stahltank oder großen Holzfass ausgebaut, mit dunkler Kirschfrucht und weichen Tanninen. Zugänglich und saftig – der beste Einstieg.
- Im Barrique gereift: die ambitionierte Form. Mehr Struktur, Bitterschokolade, Zedernholz und Gewürz, mit echtem Reifepotenzial. Bei den besten Erzeugern ein ernstzunehmender, langlebiger Rotwein.
- Elegant und pinot-artig: zurückhaltender ausgebaut, mit rotem Beerenobst und seidiger Textur – die feinste Ausprägung.
- Rosé: saftig, mit klarer Kirschfrucht, sommerlich.
Sankt Laurent ist außerdem ein wichtiger Verschnittpartner: Gemeinsam mit dem Blaufränkisch und dem Zweigelt gehört er zu den prägenden roten Sorten Österreichs und taucht in vielen österreichischen Cuvées auf.
Reifepotenzial
- Fruchtbetonte Weine: zwei bis vier Jahre, jung und saftig am schönsten.
- Barrique-Weine aus guten Lagen: fünf bis zehn Jahre. Die Frucht weicht dabei erdigen, schokoladigen und ledrigen Noten, die Tannine runden sich.
Wozu Sankt Laurent passt
Die samtige Textur und die lebendige Säure machen ihn zu einem hervorragenden Essensbegleiter – besonders zur herbstlichen und zur österreichischen Küche.
- Ente und Gans: eine der besten Kombinationen, ähnlich wie beim Spätburgunder. Der Klassiker zur Martinsgans.
- Schweinebraten und Wiener Küche: Schweinsbraten, Backhendl, Kalbsgerichte.
- Leichtes Wild: Reh, Hirschragout – vor allem zu den Barrique-Weinen.
- Pilze und Wurzelgemüse: die erdige Seite des Weins greift die der Speise auf.
- Schmorgerichte mit dunkler Sauce: Gulasch, geschmorte Bäckchen.
- Reifer Käse: Weichkäse, Rotschmierkäse, mittelalter Bergkäse.
- Vorsicht bei: sehr leichtem Fisch und zarten Salaten – dafür ist er zu kräftig.
So trinkst du Sankt Laurent richtig
Temperatur: 15 bis 17 °C. Etwas kühler als kräftige Rotweine, weil die pinot-artige Eleganz bei zu viel Wärme verlorengeht und der Alkohol vortritt.
Dekantieren: junge Barrique-Weine profitieren von dreißig bis fünfundvierzig Minuten Luft. Fruchtbetonte Weine brauchen es nicht.
Glas: ein großes, bauchiges Glas – wie beim Spätburgunder gibt es der feinen Aromatik Raum.
Für wen ist Sankt Laurent der richtige Wein?
Für alle, die Rotwein mit dunkler Frucht mögen, aber weiche Tannine und Eleganz schätzen – der ideale Wein für Spätburgunder-Trinker, die etwas mehr Fülle suchen. Er ist außerdem ein hervorragender Herbst- und Wildwein und ein guter Botschafter der österreichischen Rotweinkultur.
Wer ihn mag, sollte auch Spätburgunder als die feinere und Blaufränkisch als die würzigere, kräftigere Alternative aus derselben österreichischen Welt probieren. Wer es fruchtsüßer und weicher will, ist beim Primitivo besser aufgehoben.
Häufige Fragen
Wie schmeckt Sankt Laurent?
Nach dunkler Kirsche, Brombeere und Pflaume, mit Veilchen, feinen Kräutern und einem Hauch Bitterschokolade. Die Tannine sind weich und samtig, die Säure lebendig, der Körper mittel bis kräftig. Er wirkt eleganter, als seine dunkle Farbe vermuten lässt.
Woher kommt Sankt Laurent?
Die genaue Herkunft ist nicht abschließend geklärt. Seine Heimat wurde Österreich, vor allem die Thermenregion südlich von Wien und das Burgenland. Große Bestände gibt es auch in Tschechien und der Slowakei.
Ist Sankt Laurent mit Spätburgunder verwandt?
Ja. Genetische Untersuchungen legen nahe, dass der Spätburgunder einer der Elternteile ist. Sankt Laurent gehört zur Burgunderfamilie, ist aber dunkler und etwas kräftiger.
Ist Sankt Laurent ein trockener Rotwein?
Ja, praktisch immer trocken ausgebaut.
Wozu passt Sankt Laurent am besten?
Zu Ente und Gans, Schweinebraten und Wiener Küche, leichtem Wild, Pilzgerichten, Schmorgerichten mit dunkler Sauce und reifem Käse. Zu sehr leichtem Fisch passt er nicht.
Bei welcher Temperatur trinkt man Sankt Laurent?
Bei 15 bis 17 °C, etwas kühler als kräftige Rotweine, damit die Eleganz erhalten bleibt.
Kann man Sankt Laurent lagern?
Fruchtbetonte Weine trinkt man in zwei bis vier Jahren. Barrique-Weine aus guten Lagen reifen fünf bis zehn Jahre und gewinnen dabei an schokoladigen und ledrigen Noten.
Was ist der Unterschied zwischen Sankt Laurent und Zweigelt?
Zweigelt ist eine Kreuzung aus Sankt Laurent und Blaufränkisch und damit sein direkter Nachkomme. Zweigelt ist meist fruchtiger und unkomplizierter, Sankt Laurent samtiger, dunkler und eleganter mit mehr Tiefe.