Lemberger
auch bekannt als: Blaufränkisch, Blauer Limberger, Kékfrankos, Frankovka, Modrá Frankovka
- Typische Stile
- Fruchtbetont & frisch: Sauerkirsche, Brombeere, Waldbeere, schwarzer Pfeffer, lebendige Säure, mittlere Tannine, saftig. Im Barrique gereift: dunkle Frucht, Schokolade, Zedernholz, Gewürz, feste Struktur, langlebig. Kräftig & würzig (Burgenland-Stil): konzentriert, mit Pfeffer, dunkler Kirsche und mineralischer Tiefe. Rosé: saftig, mit Kirsche und Kräuterwürze.
- Typische Regionen
- Österreich (Burgenland – Mittelburgenland, Leithaberg; Neusiedlersee), Deutschland (Württemberg als Lemberger), Ungarn (Sopron, Villány als Kékfrankos), Tschechien, Slowakei, Kroatien, Serbien, USA (Washington)
- Passt zu
- Gegrilltes und geschmortes Rind, Steak · Lamm und Wild · dunkles Geflügel, Ente · kräftige Wurst, Gulasch, Paprikagerichte · Hartkäse und reifer Bergkäse · Weniger geeignet: Fisch, helles Gemüse, zarte Gerichte
Kurz gesagt: Lemberger und Blaufränkisch sind dieselbe Rebsorte – in Württemberg heißt sie Lemberger, in Österreich Blaufränkisch. Sie ergibt kräftige, würzige Rotweine mit dunkler Kirsche, Brombeere und einer markanten Pfeffernote, dazu lebendige Säure und ordentlich Tannin. Sie gilt als eine der wichtigsten und ausdrucksstärksten roten Sorten Mitteleuropas und steht qualitativ längst neben internationalen Größen – zu einem meist deutlich freundlicheren Preis.
Was Lemberger so besonders macht
Lemberger ist der würzige, kantige Charakterkopf unter den mitteleuropäischen Rotweinen. Wo Spätburgunder auf Eleganz und Sankt Laurent auf Samtigkeit setzt, setzt Lemberger auf Spannung: dunkle Frucht, feste Tannine, eine lebendige, fast schneidende Säure und – sein Markenzeichen – eine deutliche Note von schwarzem Pfeffer.
Diese Pfefferwürze teilt er mit dem Syrah und, auf der weißen Seite, mit dem Grünen Veltliner; es ist derselbe natürliche Duftstoff, der in allen dreien vorkommt. Bei Lemberger sitzt er über einer dunklen Kirsch- und Brombeerfrucht und einem mineralischen, manchmal fast erdigen Zug. Das macht ihn eigenständig – man verwechselt ihn mit keiner internationalen Sorte.
Die kräftige Säure ist dabei sein größtes Pfund am Esstisch. Sie hält den Wein frisch, auch wenn er viel Kraft und Alkohol hat, und macht ihn zu einem exzellenten Speisenbegleiter. Ein guter Lemberger ist nie schwer und breit, sondern spannungsvoll und lebendig – Kraft mit Rückgrat.
Blaufränkisch, Lemberger, Kékfrankos – ein Wein, viele Namen
Die Namensvielfalt spiegelt die Geschichte Mitteleuropas. Es ist überall dieselbe Rebsorte:
- Blaufränkisch in Österreich – dort der große Name und das rote Aushängeschild des Landes.
- Lemberger (auch Blauer Limberger) in Deutschland, vor allem in Württemberg. Der Name geht auf den Ort Lemberg zurück, aus dem die Reben einst bezogen wurden.
- Kékfrankos in Ungarn, wo die Sorte weit verbreitet ist.
- Frankovka in Tschechien und der Slowakei.
Wichtig für den Stammbaum: Blaufränkisch ist ein Elternteil des Zweigelt (gekreuzt mit Sankt Laurent) und damit einer der Grundpfeiler der österreichischen Rotweinlandschaft. Mit „Blauburgunder“ oder der Burgunderfamilie hat er trotz des Wortteils „blau“ nichts zu tun.
Die wichtigsten Herkünfte
- Burgenland (Österreich): die Königsklasse. Im Mittelburgenland – oft „Blaufränkischland“ genannt – und am Leithaberg entstehen die besten und langlebigsten Weine: kraftvoll, würzig, mineralisch, häufig im Barrique gereift und international hoch angesehen. Wer wissen will, wozu die Sorte fähig ist, sucht hier.
- Württemberg (Deutschland): die deutsche Heimat, wo Lemberger tief in der Trinkkultur verankert ist. Die Bandbreite reicht vom saftigen Alltagswein bis zum ambitionierten Barrique-Gewächs.
- Ungarn: als Kékfrankos weit verbreitet, mit guten Weinen aus Sopron und Villány.
- Übersee: Washington State in den USA hat sich der Sorte angenommen, dazu kleinere Anlagen anderswo.
Die Stile
- Fruchtbetont und frisch: im Stahltank oder großen Holzfass ausgebaut, mit knackiger Kirschfrucht, Pfeffer und lebendiger Säure. Der zugängliche Alltagsstil.
- Im Barrique gereift: die gehobene Form. Dunkle Frucht, Schokolade, Zedernholz und Gewürz, mit fester Struktur und langem Leben. Bei guten Erzeugern ein ernstzunehmender Spitzenrotwein.
- Rosé: saftig, mit Kirsche und Kräuterwürze, sommerlich.
Reifepotenzial
- Fruchtbetonte Weine: zwei bis fünf Jahre.
- Barrique-Weine aus dem Burgenland oder von guten württembergischen Erzeugern: acht bis fünfzehn Jahre. Sie brauchen oft zwei bis drei Jahre, bis sich die anfangs festen Tannine runden, und entwickeln dann Leder-, Tabak- und Dörrfruchtnoten.
Wozu Lemberger passt
Kräftige Tannine und lebendige Säure verlangen kräftiges Essen – und belohnen es. Lemberger ist ein klassischer Fleisch- und Schmorwein.
- Rotes Fleisch: Steak, Rinderbraten, Schmorgerichte. Das Eiweiß bindet die Gerbstoffe.
- Lamm und Wild: Lammkeule, Reh, Hirsch – die Kräuterwürze passt hervorragend.
- Dunkles Geflügel: Ente, geschmorte Keulen.
- Deftige Küche mit Paprika: Gulasch, ungarische und österreichische Schmorgerichte – die regionale Küche ist der beste Ratgeber.
- Kräftige Wurst und Hartkäse: geräucherte Wurst, reifer Bergkäse, alter Gouda.
- Vorsicht bei: Fisch, hellem Gemüse und zarten Gerichten – dafür ist er zu wuchtig.
So trinkst du Lemberger richtig
Temperatur: 16 bis 18 °C. Zu warm serviert tritt der Alkohol hervor und die Tannine wirken rauer; die frische Säure hilft, ihn dennoch nie schwer erscheinen zu lassen.
Dekantieren: junge Barrique-Weine profitieren von dreißig bis sechzig Minuten Luft. Fruchtbetonte Weine brauchen es nicht.
Glas: ein großes Rotweinglas mit weitem Kelch.
Für wen ist Lemberger der richtige Wein?
Für alle, die kräftige, würzige Rotweine mit Charakter und Säure mögen – und für alle, die eine europäische Alternative zu internationalen Schwergewichten suchen, oft zu deutlich besserem Preis. Er ist ein hervorragender Fleisch- und Winterwein und einer der besten Botschafter der mitteleuropäischen Rotweinkultur.
Wer die Pfefferwürze mag, sollte einen Syrah danebenstellen; wer es eleganter und feiner will, einen Spätburgunder oder Sankt Laurent. Wer die Kraft mag, aber weichere Tannine und mehr Fruchtsüße sucht, ist beim Primitivo besser aufgehoben.
Häufige Fragen
Wie schmeckt Lemberger?
Nach dunkler Kirsche, Brombeere und Waldbeere, mit einer markanten Note schwarzen Pfeffers und würziger Kräuter. Die Säure ist lebendig, die Tannine mittel bis kräftig, der Körper voll. Er wirkt saftig, würzig und spannungsvoll.
Ist Lemberger dasselbe wie Blaufränkisch?
Ja. „Lemberger“ ist der deutsche, „Blaufränkisch“ der österreichische Name derselben Rebsorte. In Ungarn heißt sie Kékfrankos, in Tschechien und der Slowakei Frankovka.
Woher kommt die Pfeffernote im Lemberger?
Von einem natürlichen Duftstoff, der auch im Syrah und im Grünen Veltliner für die Pfefferwürze sorgt. Bei Lemberger sitzt er über dunkler Kirsch- und Brombeerfrucht.
Ist Lemberger ein kräftiger Rotwein?
Ja. Er hat volle dunkle Frucht, mittlere bis kräftige Tannine und viel Würze, bleibt durch seine lebendige Säure aber frisch und nie schwer.
Wozu passt Lemberger am besten?
Zu rotem Fleisch, Lamm, Wild, dunklem Geflügel, Gulasch und Paprikagerichten sowie reifem Hartkäse. Zu Fisch und zarten Gerichten passt er nicht.
Bei welcher Temperatur trinkt man Lemberger?
Bei 16 bis 18 °C. Junge Barrique-Weine sollte man vorher dekantieren, damit sich die Tannine runden.
Kann man Lemberger lagern?
Fruchtbetonte Weine trinkt man in zwei bis fünf Jahren. Barrique-Weine aus dem Burgenland oder von guten württembergischen Erzeugern reifen acht bis fünfzehn Jahre und gewinnen dabei an Leder-, Tabak- und Dörrfruchtnoten.
Was ist der Unterschied zwischen Lemberger und Zweigelt?
Zweigelt ist eine Kreuzung aus Blaufränkisch (Lemberger) und Sankt Laurent und damit sein Nachkomme. Zweigelt ist meist fruchtiger, weicher und unkomplizierter, Lemberger würziger, tanninreicher und langlebiger.