Lagrein
auch bekannt als: Lagrein Dunkel, Lagrein Scuro, Lagrein Kretzer
- Typische Stile
- Lagrein Dunkel (Rotwein): tiefdunkel, Brombeere, dunkle Kirsche, Pflaume, Veilchen, Schokolade, kräftige Tannine, lebendige Säure, würzig-herber Zug. Im Barrique gereift: zusätzlich Kakao, Zedernholz, Kaffee, mehr Rundung und Länge, reifefähig. Lagrein Kretzer (Rosé): saftiger, kräftiger Rosé mit Kirsche und Kräuterwürze. Jung & fruchtbetont: saftig, dunkelfruchtig, mit weicheren Tanninen.
- Typische Regionen
- Italien (Südtirol – vor allem rund um Bozen und Gries; Trentino), dazu kleine Anlagen in Australien, USA (Kalifornien), Deutschland und der Schweiz
- Passt zu
- Kräftig gegrilltes und geschmortes Rind, Steak · Wild, Reh, Hirsch · dunkles Geflügel, Ente, Gans · Südtiroler Küche: Speck, Schlutzkrapfen, Gerstsuppe, Wildragout · gereifter Bergkäse · Weniger geeignet: zarter Fisch, helle Salate, filigrane Gerichte
Kurz gesagt: Lagrein ist die dunkle, kraftvolle rote Spezialität Südtirols – eine autochthone Bergrebsorte mit tiefer Farbe, dunkler Frucht und markanter Struktur. Er schmeckt nach Brombeere, dunkler Kirsche und Pflaume, mit Veilchen, Schokolade und einem würzig-herben Zug. Als Lagrein Dunkel ist er ein ernstzunehmender Rotwein mit kräftigen Tanninen, als Lagrein Kretzer ein saftiger Rosé. Wer einen eigenständigen, alpinen Rotwein mit Charakter sucht, wird hier fündig.
Was Lagrein so besonders macht
Südtirol kennt man vor allem für seine präzisen, kühlen Weißweine – doch die Region hat auch eine dunkle, kraftvolle Seite, und die heißt Lagrein. Er ist eine der ganz eigenständigen italienischen Rotweinsorten: tiefdunkel bis fast schwarz, mit dichter dunkler Frucht und einer markanten, leicht herben Struktur, die ihn unverwechselbar macht.
Im Glas findet man Brombeere, dunkle Kirsche und Pflaume, dazu Veilchen, dunkle Schokolade und mediterrane Kräuter. Der Nachhall hat einen typisch würzig-herben, fast bitteren Zug – ähnlich wie beim Negroamaro, nur alpin und frischer. Die Tannine sind kräftig und griffig, die Säure lebendig; das ist der Effekt der Höhenlagen und der kühlen Nächte, die Südtirol prägen. Diese Frische verhindert, dass der Wein trotz seiner Kraft schwer wird.
Historisch hatte Lagrein den Ruf, etwas rustikal und tanninhart zu sein – ein bäuerlicher Wein. Die moderne Kellertechnik und ein sanfterer Umgang mit den Gerbstoffen haben das geändert: Der heutige Lagrein ist eleganter, runder und zugänglicher, ohne seinen kräftigen Charakter zu verlieren. Bei den besten Erzeugern rund um Bozen ist er ein Rotwein von internationalem Format.
Eine echte Südtiroler Familiensache
Lagrein ist tief in Südtirol verwurzelt – eine autochthone Sorte, die es in dieser Form fast nur hier gibt. Genetisch ist sie sogar eng mit der Region verknüpft: Lagrein ist ein Nachkomme des Teroldego, einer roten Sorte aus dem benachbarten Trentino, und über verzweigte Verwandtschaft mit weiteren Alpensorten verbunden. Bemerkenswert: Über diese Linien besteht auch eine Verwandtschaft zum Pinot Noir – ein weiterer Beleg dafür, wie eng das Netz der europäischen Rebsorten geknüpft ist.
Das Herz des Anbaus liegt im Stadtteil Gries von Bozen, wo Lagrein auf warmem Schwemmland gedeiht und traditionell die besten Weine hervorbringt. Der Name „Gries“ auf dem Etikett ist deshalb ein guter Hinweis auf Herkunft und Qualität.
Dunkel und Kretzer – ein Wort zur Etikettensprache
Zwei Begriffe sollte man kennen, weil sie zwei ganz unterschiedliche Weine bezeichnen:
- Lagrein Dunkel (italienisch Lagrein Scuro) ist der klassische, tiefdunkle Rotwein – das, was man meint, wenn man von Lagrein spricht.
- Lagrein Kretzer ist die Rosé-Variante. „Kretzer“ ist ein alter Südtiroler Begriff für die Rosé-Bereitung; der Saft hat nur kurzen Kontakt mit den farbgebenden Schalen. Das Ergebnis ist ein kräftiger, saftiger Rosé mit klarer Kirschfrucht und Kräuterwürze – deutlich substanzieller als die meisten hellen Rosés.
Die meisten Erzeuger bauen beide Varianten aus derselben Traube aus. Wer den vollen, dunklen Rotwein will, achtet auf „Dunkel“ oder „Scuro“; wer den Sommer-Rosé sucht, auf „Kretzer“.
Ausbau und Reifepotenzial
Der einfache Lagrein wird im Stahltank oder großen Holzfass ausgebaut und jung getrunken; die gehobenen Weine sehen Barrique und gewinnen dadurch Kakao-, Zedernholz- und Kaffeenoten sowie rundere Tannine.
- Einfache, fruchtbetonte Weine: im ersten bis dritten Jahr trinken.
- Gehobene Barrique-Weine und Riserva: fünf bis zehn Jahre und mehr. Sie brauchen oft zwei bis drei Jahre, bis sich die kräftigen Tannine runden.
- Kretzer (Rosé): jung trinken, im ersten Jahr.
Wozu Lagrein passt
Ein kräftiger, dunkler Rotwein mit griffigen Tanninen braucht herzhaftes Essen – die Südtiroler Küche ist der ideale Partner.
- Rotes Fleisch und Wild: Steak, Rinderbraten, Reh, Hirsch, Wildragout. Das Eiweiß bindet die Gerbstoffe.
- Dunkles Geflügel: Ente, Gans, geschmorte Keulen.
- Südtiroler Klassiker: Speck und Kaminwurzen, Schlutzkrapfen, Gerstsuppe, geschmortes Rindergulasch. Regionale Küche und regionaler Wein sind zusammen gewachsen.
- Gereifter Bergkäse: alter Almkäse, Graukäse, reifer Hartkäse.
- Der Kretzer: zu Speck, Antipasti, hellem Fleisch und leichter Sommerküche.
- Vorsicht bei: zartem Fisch, hellen Salaten und filigranen Gerichten – dafür ist der Rotwein zu kräftig.
So trinkst du Lagrein richtig
Temperatur: 16 bis 18 °C für den Lagrein Dunkel. Zu warm serviert wirken die Tannine rauer und der Alkohol tritt hervor. Der Kretzer bei 8 bis 10 °C, gut gekühlt.
Dekantieren: junge, kräftige Weine und Barrique-Gewächse profitieren von dreißig bis sechzig Minuten Luft.
Glas: ein großes Rotweinglas mit weitem Kelch.
Für wen ist Lagrein der richtige Wein?
Für alle, die kräftige, dunkle Rotweine mit Charakter und Frische mögen – und für alle, die eine eigenständige alpine Alternative zu den bekannten italienischen Roten suchen. Lagrein ist ein hervorragender Wild- und Winterwein und einer der besten Botschafter der Südtiroler Rotweinkultur.
Wer den dunklen, würzig-herben Stil mag, sollte auch Negroamaro aus Apulien probieren, der einen ähnlichen bitteren Zug hat, sowie Lemberger/Blaufränkisch als verwandt würzigen Bergrotwein. Wer es eleganter und feiner will, ist beim Südtiroler Spätburgunder besser aufgehoben; wer es weicher und fruchtsüßer mag, beim Primitivo.
Häufige Fragen
Wie schmeckt Lagrein?
Tiefdunkel und kraftvoll nach Brombeere, dunkler Kirsche und Pflaume, mit Veilchen, dunkler Schokolade und einem würzig-herben Zug im Nachhall. Die Tannine sind kräftig, die Säure lebendig, der Körper voll.
Woher kommt Lagrein?
Aus Südtirol, wo er eine autochthone Spezialität ist. Das Zentrum des Anbaus liegt rund um Bozen, besonders im Stadtteil Gries. Genetisch ist Lagrein ein Nachkomme des Teroldego aus dem benachbarten Trentino.
Was ist der Unterschied zwischen Lagrein Dunkel und Lagrein Kretzer?
Lagrein Dunkel (Scuro) ist der klassische, tiefdunkle Rotwein. Lagrein Kretzer ist die Rosé-Variante aus derselben Traube, bei der der Saft nur kurz mit den Schalen in Kontakt bleibt – ein kräftiger, saftiger Rosé.
Ist Lagrein ein kräftiger Rotwein?
Ja. Er ist tiefdunkel, tanninreich und strukturiert, bleibt durch die frische Säure der Südtiroler Höhenlagen aber lebendig und nie schwer. Moderne Ausbauten sind runder und eleganter als der früher rustikale Ruf vermuten lässt.
Wozu passt Lagrein am besten?
Zu rotem Fleisch, Wild, dunklem Geflügel, Südtiroler Klassikern wie Speck, Schlutzkrapfen und Wildragout sowie gereiftem Bergkäse. Der Kretzer passt zu Speck, Antipasti und leichter Sommerküche. Zu zartem Fisch passt der Rotwein nicht.
Bei welcher Temperatur trinkt man Lagrein?
Den Lagrein Dunkel bei 16 bis 18 °C, den Kretzer gut gekühlt bei 8 bis 10 °C.
Kann man Lagrein lagern?
Einfache Weine trinkt man jung, in ein bis drei Jahren. Gehobene Barrique-Weine und Riserva reifen fünf bis zehn Jahre und entwickeln dabei Kakao-, Kaffee- und Ledernoten.
Ist Lagrein mit dem Spätburgunder verwandt?
Über verzweigte Abstammungslinien ja. Lagrein ist ein Nachkomme des Teroldego und über die alpine Rebsortenfamilie mit dem Pinot Noir verwandt. Im Charakter sind die beiden allerdings sehr verschieden.