Ukraine
- Typische Rebsorten
- Telti-Kuruk, Odeskyi Chornyi, Rkatsiteli, Cabernet Sauvignon, Chardonnay
- Wichtige Weinregionen
- Odessa und Bessarabien, Mykolajiw, Cherson, Transkarpatien
- Bekannt für
- Weinbau am Schwarzen Meer seit der Antike, Schaumwein-Tradition – und eine junge Qualitätsszene mit eigenen Rebsorten wie Telti-Kuruk.
Auf den Punkt: Die Ukraine hat eine Weinbautradition, die bis in die griechische Antike am Schwarzen Meer zurückreicht – und eine Gegenwart, die geprägt ist von Umbrüchen. Aus der sowjetischen Massenproduktion mit ihren süßen Weinen und Schaumweinen ist in den letzten Jahren eine kleine, entschlossene Qualitätsszene hervorgegangen, vor allem im Süden rund um Odessa und im westlichen Transkarpatien. Dieser Überblick zeigt dir, welche Regionen und Rebsorten zählen und was du im Glas erwarten kannst.
Weinbau am Schwarzen Meer
Die Küstenregionen am nördlichen Schwarzen Meer wurden bereits in der Antike von griechischen Siedlern bepflanzt – Weinbau ist hier also keine Erfindung der Neuzeit. Prägend für das heutige Bild sind aber zwei jüngere Ereignisse.
Das erste ist die sowjetische Ausrichtung auf Menge: halbsüße und süße Weine, dazu Schaumwein in industriellem Maßstab für den gesamten Ostblock. Das zweite ist die Anti-Alkohol-Kampagne unter Gorbatschow ab 1985, in deren Verlauf große Rebflächen gerodet wurden – ein Einschnitt, von dem sich der Weinbau in der gesamten Region nie vollständig erholt hat.
Was danach kam, war ein Neuanfang aus dem Kleinen. Eine Generation von Familienbetrieben und mittelgroßen Gütern setzt heute auf trockenen Ausbau, niedrigere Erträge und den Export nach Westen – nicht zuletzt als bewusste Entscheidung, sich vom östlichen Markt unabhängig zu machen. Der Krieg seit 2022 hat die Branche schwer getroffen: Rebflächen in den umkämpften Gebieten sind nicht bewirtschaftbar, Logistik und Export bleiben schwierig. Dass in dieser Lage trotzdem Wein exportiert wird, ist für viele Erzeuger auch eine Botschaft.
Die Weinregionen
- Odessa und Bessarabien – der Südwesten zwischen Donaudelta und Schwarzem Meer, das Herz des ukrainischen Weinbaus. Mildes Küstenklima, viel Sonne, die größte Rebfläche des Landes und die meisten der ambitionierten Erzeuger.
- Mykolajiw und Cherson – die südlichen Steppengebiete, warm und trocken, traditionell auf Menge ausgelegt.
- Transkarpatien (Sakarpattja) – der äußerste Westen an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei, klimatisch und stilistisch eine ganz andere Welt: kühler, kontinentaler, mit Verwandtschaft zum ungarischen Weinbau. Hier entstehen die frischesten Weißweine des Landes.
- Krim – historisch die berühmteste Weinregion des Landes, vor allem für Süß- und Likörweine sowie Schaumwein. Die Halbinsel steht seit 2014 nicht unter ukrainischer Kontrolle; Weine von dort erreichen den europäischen Markt praktisch nicht.
Die Rebsorten
Wie in vielen Ländern der Region dominieren internationale Sorten – ein Erbe der Ausrichtung auf große Abnehmermärkte. Interessant wird es bei den regionalen Spezialitäten.
Regional und einheimisch
- Telti-Kuruk – die eigenständigste weiße Sorte des Landes, im bessarabischen Südwesten zu Hause. Trocken ausgebaut zeigt sie Zitrus, Birne und eine kräuterige, salzige Note. Wer die Ukraine an einer Flasche kennenlernen will, nimmt diese.
- Odeskyi Chornyi – eine dunkle, säurebetonte rote Züchtung aus der Region Odessa, oft in Cuvées.
- Sukholymanskyi Bilyi – weiße Züchtung, frisch und neutral, häufig für Schaumwein.
- Rkatsiteli und Saperavi – ursprünglich aus Georgien, in der ganzen Schwarzmeerregion seit Langem etabliert.
International
- Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot Noir bei den Roten.
- Chardonnay, Riesling, Sauvignon Blanc, Aligoté, Muskat und Traminer bei den Weißen – in Transkarpatien besonders überzeugend, weil die kühleren Lagen die Säure halten.
Schaumwein: eine eigene Tradition
Schaumwein hat in der Ukraine einen hohen Stellenwert und eine lange Geschichte, die auf französischen Einfluss im 19. Jahrhundert zurückgeht. Neben industriell erzeugter Ware gibt es eine kleine Zahl von Erzeugern, die nach traditioneller Flaschengärung arbeiten – meist auf Basis von Chardonnay, Aligoté oder regionalen weißen Sorten. Preislich liegen diese Flaschen deutlich unter dem, was vergleichbare Machart in Westeuropa kostet.
Kaufberatung: worauf du achtest
Das Angebot in Deutschland ist überschaubar, und genau deshalb lohnt eine klare Strategie. Achte erstens auf die Angabe „trocken“ – die süße Tradition ist im Sortiment noch präsent, gerade bei Exportware älterer Machart. Zweitens auf die Region: Für frische Weißweine ist Transkarpatien die verlässlichere Wahl, für Rotwein und für die Sorte Telti-Kuruk der Süden um Odessa.
Drittens auf den Jahrgang, denn er sagt hier mehr als anderswo. Die Weine der letzten Jahre stammen aus einer Branche, die unter äußerst schwierigen Bedingungen arbeitet – wer exportiert, tut das mit Überzeugung und schickt in aller Regel nicht seine schwächste Ware. Ältere Bestände können dagegen noch aus einer ganz anderen Produktionsphilosophie stammen.
Preislich bewegst du dich meist im mittleren einstelligen bis unteren zweistelligen Bereich. Erwartungshaltung: solide gemachte, unkomplizierte Weine mit klarer Frucht – und bei den Spezialitäten ein Geschmackserlebnis, das du sonst nirgendwo bekommst.
Häufige Fragen
Wo wird in der Ukraine Wein angebaut?
Vor allem im Süden entlang der Schwarzmeerküste, mit Odessa und dem historischen Bessarabien als Zentrum, dazu in den Steppengebieten um Mykolajiw und Cherson. Eine klimatisch ganz andere Region ist Transkarpatien im äußersten Westen an der Grenze zu Ungarn und der Slowakei.
Ist ukrainischer Wein süß?
Es gibt beides. Aus der sowjetischen Zeit stammt eine ausgeprägte Tradition halbsüßer und süßer Weine, die im Export noch anzutreffen ist. Die aktuelle Qualitätsszene arbeitet dagegen fast durchgehend trocken – ein Blick auf die Geschmacksangabe auf dem Etikett schafft Klarheit.
Was ist Telti-Kuruk?
Eine weiße Rebsorte aus dem bessarabischen Südwesten der Ukraine und die eigenständigste Spezialität des Landes. Trocken ausgebaut zeigt sie Zitrus, Birne und eine kräuterig-salzige Note; sie gilt als die interessanteste Visitenkarte des ukrainischen Weinbaus.
Wird in der Ukraine trotz des Krieges noch Wein produziert?
Ja, wenn auch unter erheblich erschwerten Bedingungen. Flächen in den umkämpften Regionen sind nicht bewirtschaftbar, Logistik und Export sind aufwendig. Erzeuger in den westlichen und südwestlichen Regionen arbeiten weiter und exportieren gezielt nach Europa.